Accenture Insurance Blog

Ob Mobilität, Freizeit, Einzelhandel oder Krankenversorgung: Plattformbasierte Geschäftsmodelle haben bereits zahlreiche Branchen durcheinandergewirbelt. Sie reißen klassische Wertschöpfungsketten auseinander, setzen sie in digitalen Ecosystemen rund um die Kundenbedürfnisse neu zusammen und lassen die Branchengrenzen verschwinden. Auch vor der Versicherungswirtschaft wird diese Entwicklung nicht halt machen. Jeder Versicherer sollte sich daher fragen, welche Rolle er mit seinen Services in der digitalen Welt spielen will und wie und mit welchen Angeboten er hier hineinpasst.

Kundenpools mit Plattformlösungen erschließen

Klassische Produkte samt linearer Wertschöpfungsketten und -prozesse werden in der digitalen Welt tatsächlichen (Problem-)Lösungen weichen müssen. Diese Lösungen werden nicht mehr direkt vermarktet, sondern sind Teil komplexer Wertschöpfungsnetze aus zahlreichen Partnern. Im Zentrum steht dabei mehr denn je der Mensch, in seinem Lebensalltag und mit seinen Bedürfnissen. Natürlich wird das klassische Versicherungsmodell mit seinen weitgehend standardisierten Produkten dadurch in Frage gestellt. Allerdings können sich Unternehmen über den Aufbau einer neuen digitalen Wertschöpfungskette auch enorme Potenziale erschließen. Versicherer, die ihre Transformation beherzt angehen, sichern sich über die Plattform einerseits Zugang zu einem riesigen Pool neuer Kunden, andererseits können sie ihre Marken weit tiefer im Alltag der Kunden verankern und spannende neue Kundenerfahrungen kreieren.

Kampf zwischen alter und neuer Versicherungswelt

Der bevorstehende Wandel ist durchaus im Management angekommen: 76 Prozent der Versicherer gehen bereits davon aus, dass ihre Wettbewerbsposition künftig insbesondere auch von der Stärke ihrer Partner und der gewählten Ecosysteme abhängen wird. Und auch die Kunden sind längst bereit für neue Angebote. Nicht ohne Grund können sich 29 Prozent der Versicherungsnehmer schon heute vorstellen, Produkte zur Absicherung von Risiken bei Spielern wie Google oder Amazon zu kaufen. Zugleich drängen InsurTechs auf den Markt, die sich IoT-Schnittstellen, Künstliche Intelligenz und Big Data-Lösungen weit agiler als traditionelle Spieler zu eigen machen und damit passgenauere Lösungen anbieten können. Noch haben traditionelle Versicherer im Vergleich zu jungen Wettbewerbern den Vorteil einer starken Marktposition, denn gerade bei komplexen Angeboten sind sie aktuell weiterhin die erste Wahl. Viel Zeit für neue Serviceoffensiven bleibt aber dennoch nicht, das Rennen zwischen alter und neuer Versicherungswelt ist bereits gestartet.

76 Prozent der Versicherer gehen davon aus, innerhalb der nächsten fünf Jahre Services in Ecosystemen anzubieten. Dabei müssen sie für sich zunächst die strategische Stoßrichtung festlegen. Zur Disposition stehen dabei im Wesentlichen zwei Wege:

  1. Der Launch einer eigenen Plattform und die Festigung der Rolle als Orchestrator eines Ecosystems
  2. Integration der eigenen Lösungen in bestehende Ecosysteme auf fremden Plattformen

Oder aber der Versicherer kombiniert beide Stoßrichtungen. Ganz gleich, wie die strategische Entscheidung ausfällt: Die Marktteilnehmer müssen das plattformbasierte Geschäftsmodell als Teil ihrer Zukunft annehmen und sich so schnell wie möglich Ecosystemen mit digitalen Partnern zuwenden. Hier liegt der Schlüssel für den künftigen Erfolg.

Wie Versicherer ihre Rolle in der neuen Welt der Assekuranz konkret definieren können, darauf werde ich in meinem nächsten Blogpost näher eingehen.

Werner Rapberger

Principal Director Versicherungen, Vertrieb und Marketing, Gobaler Offering Lead für Connected Insurance und Internet of Things

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