In den letzten Jahren wurden Ökosysteme und Plattformökonomie über alle Industrien hinweg viel diskutiert. Die Versicherungswirtschaft bildet da keine Ausnahme und so haben wir es uns als Accenture Versicherungen Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Aufgabe gemacht, das Themenfeld anhand einer Befragung genauer zu betrachten. Interviewt wurden über 30 Vorstände, Mitglieder der Geschäftsleitung, Bereichs- und Abteilungsleiter von Erstversicherungsunternehmen der DACH-Region zu mehr als 100 Fragen rund um den Privat- und Firmenkundenmarkt hinsichtlich Ökosysteme, Plattformen, Fokusbereiche und den größten Herausforderungen. Entstanden ist ein Whitepaper Ökosysteme in der Versicherungsindustrie, das die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfasst, in einen Kontext stellt und Handlungsempfehlungen ausspricht.

Der Kunde ist König

Allseits bekannt und auch durch unsere Studien bestätigt ist inzwischen, dass der Kunde sich mehr und mehr ein holistisches Produkt- und Dienstleistungsangebot wünscht – unabhängig von Industrie und Sparte. Die Versicherung ist dabei für den Kunden nur ein Teil des Gesamtpakets, was er mit dem Kauf eines Produkts oder Services erhält. Zu sehen ist das beispielsweise im Kfz-Bereich: Hier haben 27% der deutschen Kunden ein großes Interesse an ganzheitlichen Angeboten rund um das Auto, die auch die Versicherung mit einschließen können.

Ähnliches Kundeninteresse gilt auch für die Bereiche „Gesundheit & Fitness“ oder auch „Heim & Haus“. Wie bereits von meinem Kollegen Simon Röwer in seinem letzten Blogbeitrag angesprochen, sind das auch Lebenswelten, die für Versicherer traditionell relevant sind und Wachstumspotenzial durch neue Services in Ökosystemen versprechen.

Es ist also nicht ganz überraschend, dass auch unsere Studie diese Lebenswelten als Priorität bei den Versicherern bestätigt hat. Zusätzlich zu den oben genannten Lebenswelten werden noch „Pflege & Alltagshilfe“, „Vermögen“ sowie Services rund um das „digitale Leben“ als interessant und relevant bewertet. Im Firmenkundenbereich sind Lebenswelten rund um „Urheberrechte & Cyber-Sicherheit“, „Industrie X – Sicherheit & Prävention“ sowie die Themen rund um „Transport, Logistik & Supply Chain“ am höchsten priorisiert.

Alle diese Lebenswelten haben heute schon eine beachtliche Marktgröße mit weiterem signifikanten Wachstumspotenzial. Versicherer sind aber trotz erster Testballons in der Regel noch nicht wirklich in diesen Ökosystemen mit einem „fairen“ Anteil vertreten. Das bietet natürlich Chancen, allerdings benötigt jedes Ökosystem eine passende Strategie. Welche Rolle Versicherer innerhalb eines Ökosystems einnehmen wollen, müssen Versicherer bewusst entscheiden. Dass die Versicherer jedoch gerade in ihren traditionell relevanten Bereichen gestaltende Rollen wie Orchestrator oder Schlüsselpartner einnehmen wollen, ist naheliegend. Unsere Ergebnisse bestätigen dies zum Beispiel für die Lebenswelten „Pflege & Alltagshilfe“ sowie „Gesundheit & Fitness“.

Versicherer haben Handlungsbedarf

Unabhängig davon, welche Lebenswelt ein Versicherer bedienen möchte und welche Rolle er dabei im Ökosystem übernehmen will, ist eine der größten Herausforderungen der kulturelle Wandel des Versicherungsunternehmens selbst. Dies bestätigen allein 66% unserer Studienteilnehmer. Weitere 50% der Befragten sehen es als zusätzliche Herausforderung an, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und Zukunftsthemen voranzutreiben. Dass Veränderungen erfolgen müssen – sowohl innerhalb der Versicherungsunternehmen selbst als auch im Zusammenspiel mit Ökosystempartnern – und darüber hinaus noch weitere Herausforderungen in Angriff zu nehmen sind, ist jedoch allen Versicherern absolut bewusst.

Bewusste Entscheidung für Ökosystemstrategien

Unsere Erfahrungen und auch die Studienergebnisse legen nahe, sich bewusst mit möglichen strategischen Optionen und den Erfolgsfaktoren von Ökosystemstrategien zu befassen. Unser Whitepaper regt dazu 5 Phasen an:

  1. Definition strategischer Ambition: Disruption wagen oder nicht?
  2. Definition des „Field of Play“: Fokus auf Lebenswelten und Service-Cluster
  3. Positionierung im Ökosystem und Aufbau fehlender Kompetenzen: Orchestrator, Schlüsselpartner oder Teilnehmer?
  4. Analyse der Wertflüsse und Definition des Geschäfts- und Erlösmodells: Detailverständnis für Wertflüsse schaffen
  5. Organisatorischer Rahmen und Governance: Ökosysteme zum Kern der Unternehmensführung und -strategie machen

Es steckt viel drin in den Ökosystemen für Versicherungen – hier liegen große Chancen und viel Potenzial, ebenso wie signifikante Herausforderungen. Wir sehen die Notwendigkeit, sich jetzt mit diesen Themen zu beschäftigen, um die Potenziale nicht liegen zu lassen. Denn eines ist klar: Die Zukunft der Versicherung verändert sich bereits und es obliegt unserer Industrie, wie wir diese für uns gestalten.

Wenn Sie mehr über die Studie und unser Whitepaper Ökosysteme in der Versicherungsindustrie dann sprechen Sie mich gerne dazu an. Ich und mein Team stehen Ihnen gerne für ein Gespräch zur Verfügung.