Als vor einigen Jahren von der Cloud als neue Technologie gesprochen wurde, bezog sich vieles davon ausschließlich auf die Möglichkeiten und Vorteile des Aufbaus einer Cloud-Infrastruktur aus reiner IT-Perspektive. Heute jedoch müssen wir den Aspekt der Cloud, über den wir sprechen wollen, deutlich benennen, denn in ihrer Gesamtheit betrachtet geht es bei Cloud doch um sehr viel mehr als nur um eine IT-Technologie im Einsatz. Und es ist für Banken und Versicherer mit der Cloud auch deutlich mehr drin – über alle Bereiche hinweg und in Bezug auf die großen und drängenden Themen wie Data Compliance and Security, neue Produkte, Verbesserung der Kundenbeziehung und -erfahrung sowie Nachhaltigkeit.

Die Finanzdienstleister können und die ersten zeigen wie

Denkt man also über Cloud als reines IT-Thema hinaus, zeigen sich inzwischen vielversprechende Lösungen für neue Geschäfts- und auch Betriebsmodelle aus der Finanzbranche im Markt. Beispielsweise pilotierte die AXA im vergangenen Jahr in Deutschland und Italien neue Zugangsmöglichkeiten für ihre Versicherten im Gesundheitsbereich. So stehen den Versicherten nun ein Tool zur Selbsteinschätzung, zur medizinischen Telekonsultation und ein medizinischer Concierge zu Verfügung. Im April diesen Jahres hat die AXA angekündigt, in Zusammenarbeit mit Microsoft eine digitale Gesundheitsplattform aufzubauen, die die Reise im Gesundheitswesen vereinfacht und Kunden den Zugang zu einem vollständig integrierten Ökosystem ermöglicht (siehe Pressemitteilung vom 14. April 2021). All das ist ohne die Cloud nicht oder nur schwerlich möglich.

So viel steht fest: Weitere werden folgen. Banken sowie Versicherer werden immer mehr ihren Weg nicht mehr nur zur Cloud-Technologie hin, sondern eben mit der Cloud-Technologie in neue Sphären des Geschäftsbereichs gehen. Und so werden wir in absehbarer Zukunft deutlich mehr Cloud-Lösungen am Markt sehen, die alle eines gemeinsam haben werden: Die Verbindung bzw. Verknüpfung von Prozessen, Daten und Plattformen.

Es bleibt die Frage nach Cloud Compliance, Data Security und natürlich dem Risiko

Immer wieder kommt die Frage nach der Sicherheit der Cloud und mit ihr die entsprechenden Bedenken in Bezug auf Datentransfer und Datenschutz. Wir alle wissen, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt – auch nicht bei der Cloud – und es kann immer wieder zu Cyberattacken und Hacks auf Datenbestände kommen. Aber auch hier ist sehr vieles sehr viel besser möglich, wenn man von Beginn seiner Cloud-Reise an, die entsprechenden Teams mit ins Boot holt und so gemeinsam an sicheren Lösungen in Bezug auf Datentransfer, Datensicherheit und Datenschutz arbeitet.

Dass dies möglich ist, zeigt ein weiterer Versicherer: So lagert die ERGO für ihr Risikomanagement das eigene Rechenzentrum an AWS aus. Die AWS-Lösung entspricht strengsten EU-Datenschutzstandards und verarbeitet von ERGO bspw. lediglich mathematische und keine personenbezogenen Daten. Der Vorteil für den Versicherer ist die Automatisierung, die damit gewonnene Schnelligkeit und Skalierbarkeit der public Cloud, denn der Bedarf an Berechnungen und Modellierungen ist deutlich gestiegen. Wofür das eigene Rechenzentrum etwa 40 Tage bräuchte, geht nun mit dem Partner AWS in einer Woche. All das ist ein großer Schritt in Richtung Zukunft, denn damit ist die ERGO auch hinsichtlich neuer Bilanzierungsregeln durch IFRS17 – wofür eine sehr hohe Rechenleistung benötigt wird – bestens vorbereitet. (Quelle: Webseite next by ERGO)

Neue Anforderungen und Regeln durch die Gerichtshöfe und Regulatoren sind immer erst einmal neue Herausforderungen für die Finanzdienstleister, schaffen aber gleichzeitig auch immer mehr Rechtssicherheit.

So hat das EuGH im Juli 2020 mit seinem Urteil zu Schrems II klare Aussagen zum Datentransfer in Drittländern getroffen und fordert beispielsweise eine Absicherung des Datentransfers nach Artikel 46 des DSGVO in Deutschland. Weitere regulatorische Bedingungen wie DORA und Anpassungen aufgrund des Schrems II-Urteils werden demnächst in Kraft treten. Sich daraus ergebende Herausforderungen und Lösungen in Bezug auf Auslagerungsmanagement, Cloud Security sowie Cloud Compliance werden wir in einer Webinar-Serie den Finanzdienstleistern in Deutschland, Österreich und der Schweiz näher darlegen. Starten werden wir im Rahmen unseres Accenture Cloud Forums am Mittwoch, den 10. November 2021, für das Sie sich über diesen Link registrieren können. Das Webinar zu Cloud Compliance findet unter dem Titel „Der heilige Gral für Cloud Compliance und Security – wir haben ihn gefunden“ von 14.30 Uhr bis 15 Uhr statt. Ab Mitte Dezember starten wir dann mit den folgenden Webinaren, um das Thema „Managing Cloud Compliance & Risk für Finanzdienstleister“ zu vertiefen. Ich freue mich auf Ihre Teilnahme.

Die Cloud-Reise ist eine langjährige

Der ein oder andere, der sich bereits über die letzten Jahre hinweg mit der Cloud beschäftigt, mag sich durchaus schon mal gefragt haben, wann dieses Cloud-Projekt wohl beendet sein wird und er damit seine Arbeit getan hat. Offen gesagt: Cloud-Projekte sind langjährig und enden vermutlich nie so ganz. Denn sowohl die Cloud-Technologie selbst als auch ihre Anwendungsmöglichkeiten mit den entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln sich weiter und verändern sich stetig. Das klingt ein wenig nach Sisyphos, aber es gibt auch eine gute Nachricht: Wenn die Grundlagen geschaffen sind und die Cloud als Basistechnologie steht, ist im Betrieb und Operativen so viel mehr drin, dass sich ein Dranbleiben definitiv lohnt. Und letztlich gilt auch für alle Cloud-Reisende: Wenn einer eine Reise macht, dann hat er was zu erzählen.