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Science-Fiction oder Schnee von gestern?

In unserem Alltag spielen Daten und Datenanalysen eine immer größere Rolle. Künstliche Intelligenz (KI) macht sich diese Vielzahl an Daten zunutze und Betreiber unterschiedlicher Technologien lernen aus ihnen mehr über unsere Persönlichkeiten und unser Verhalten. Obwohl diese Technologie in unserem Alltag kaum wegzudenken ist (bspw. beim Onlineshopping, in Social Media oder bei Wetterprognosen), nimmt sie im deutschen Gesundheitsbereich erst langsam Fahrt auf.

Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse

  • Insbesondere bei der Diagnostik und bei der Überwachung des Genesungsfortschritts wird KI eingesetzt
  • Patient:innen profitieren durch frühzeitige Diagnosen und erhöhte Behandlungsqualität
  • Für Krankenkassen entsteht (in)direkt eine Reduktion von Behandlungs- und Krankheitskosten

Seit einigen Jahren ist der Begriff der „Künstlichen Intelligenz“ in aller Munde. Zuletzt auch wegen der Forderung der derzeitigen Bundesjustizministerin nach strengeren EU-Vorgaben und Prüfinstanzen: „Es muss rote Linien beim Einsatz von KI geben. Wir müssen festlegen, welche Aspekte von Künstlicher Intelligenz für uns als freiheitliche demokratische Gesellschaft inakzeptabel sind“ (Handelsblatt). Schon heute nutzen die meisten von uns KI im beruflichen als auch im privaten Umfeld, häufig aber unbewusst. Oder wussten Sie, dass auch das Finanzamt bereits KI zur Steuerfahndung einsetzt (Handelsblatt) und Netflix bei der Produktion ihrer Filme?

Das Gesundheitswesen war für digitale Unternehmen lange Zeit ein recht unangetastetes Gebiet. Insbesondere rechtliche und regulatorische Gegebenheiten sowie ein geringer Digitalisierungsgrad der Gesundheitsbranche schränkten viele Unternehmen ein, den Markt zu betreten. Nun aber etabliert die Bundesregierung Förderungsstrategien und setzt damit für Unternehmen die Rahmenbedingungen, KI auch einzusetzen. Beispielsweise wurde dieses Jahr ein Innovationsprojekt zum Thema Krebsregisterdaten konstituiert. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, in Kombination mit KI-Risikobewertungen von Krebspatienten zu erstellen und diese für die gezielte Früherkennung und Behandlung zu nutzen. Des Weiteren wurde 2018 eine Daten-Ethikkommission ins Leben gerufen, die den Auftrag hatte, ethische Leitlinien und Handlungsempfehlungen für die Nutzung von KI aufzustellen.

Beim Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen hat Deutschland im Vergleich mit ausgewählten EU- und OECD-Ländern 2018 sehr schlecht abgeschnitten. Lediglich Platz 16 von 17 konnte Deutschland hier erreichen. Spitzenreiter sind Estland, Kanada und Dänemark (Bertelsmann Stiftung).

Was ist eigentlich KI?

Eine Vielzahl von Definitionen ist vorhanden – einen einheitlichen Konsens gibt es dazu aber nicht. Vereinfachend lässt sich sagen, dass es eine Technologie ist, die insbesondere bei der Auswertung komplexer und vieler Daten eingesetzt werden kann, die Datenmuster erkennt und Prognosen erstellen kann. Falls Sie mehr über KI, den Business Impact und die Zukunft von KI erfahren möchten, besuchen Sie gerne unsere Accenture KI-Webseite.

Einsatz von KI im Gesundheitswesen

Lassen Sie uns also nun einen Blick darauf werfen, wo KI überall im Gesundheitswesen eingesetzt werden kann. Im Nachfolgenden fokussieren wir uns aber nur auf KI als Software/Technologie und nicht auf KI in physischen Produkten wie bspw. Pflege- oder Operationsroboter.

Durch unsere Auswertung von 132 KI-Unternehmen aus Europa und den USA wurde deutlich, dass sich der Großteil der Unternehmen auf die Patient:innen oder die Behandler:innen fokussiert. B2B2C-Anbieter machen nur einen kleinen Teil aus.

Top 3 KI-Anwendungsfelder für Patient:innen:

  1. Prävention/Diagnose: Analyse verschiedener Krankheitsbilder mit Hilfe eines Symptom- Checkers
  2. Behandlung: Vorhersage, bspw. des Blutzuckerspiegels bei Diabetes-Erkrankten in den kommenden 60 Min. durch die Analyse aktueller Blutzuckerwerte
  3. Nachbehandlung: Unterstützungen in der Reha oder Pflege durch die Auswertung von Bewegungsabläufen einschließlich Handlungsempfehlungen

Top 3 KI-Anwendungsfelder für Behandler:innen:

  1. Diagnose: Frühzeitige Erkennung von Krankheiten durch Datenanalyse, bspw. von Laborwerten
  2. Behandlung: Effektiviere Behandlung durch KI-gestützte Auswertungen des Behandlungsfortschritts, bspw. Einsatz von Bilderkennung bei CT-Bildern
  3. Nachbehandlung/Monitoring: Überwachung von Vitalwerten (bspw. via EKG) inkl. Frühwarnungen, falls Ausfälligkeiten festgestellt werden

Was haben Patient:innen und Behandler:innen vom KI-Gebrauch?

Patienten:innen profitieren insbesondere durch ortsunabhängige und kostengünstige Lösungen im Vergleich zu physischen Vor-Ort-Terminen und durch eine erhöhte Behandlungsqualität. Darüber hinaus profitieren auch Behandler:innen durch den Einsatz von KI. Diagnosen werden präziser, Behandlungsfehler werden frühzeitiger vermieden und Behandler:innen haben, in der Theorie jedenfalls, mehr Zeit für Patient:innen. Dementsprechend groß ist auch die Nutzerakzeptanz: Rund 41% des medizinischen Personals in Europa nutzte bereits 2019 KI (Future Health Index 2019) und 65% der Entscheidungsträger:innen in der deutschen Gesundheitsvorsorgung sind der Meinung, dass in drei Jahren in Technologien, wie u.a. KI investiert werden muss, um für die Zukunft vorbereitet zu sein (Future Health Index 2021).

Und was haben nun Krankenversicherer davon?

Sie profitieren (in)direkt durch den Einsatz von KI, da die frühzeitige Prävention sowie eine präzise Diagnose in die gesundheitliche Unversehrtheit der Kunden:innen einzahlt und somit zukünftige Gesundheitskosten (insbesondere durch zu späte Erkennung der Krankheit) aktiv reduziert werden. In der Praxis sammel(te)n erste Krankenversicherer Erfahrungen mit der KI. AXA Partners entwickelt(e) Assistance-Leistungen im Bereich der Krebsdiagnostik mit Ibex Medical Analytics und die Techniker Krankenkasse bot bis Dezember 2019 mit einem Kooperationspartner einen KI-Symptomchecker an. Alles verbunden mit den Zielen, den Kunden:innen aktiv bei der gesundheitlichen Unversehrtheit zu unterstützen und im Wandel vom reinen Kostenerstatter zum Gesundheitspartner fortzuschreiten.

Schon gewusst? Was beim Einsatz von KI im Gesundheitsbereich beachtet werden muss, sind insbesondere drei Punkte:
1. Datenschutz ist keine Verhandlungssache! 2. Gute Cybersicherheit ist Ihre Versicherung! 3. Nutzen Sie nur unabhängig geprüfte KI-Systeme, die von den Behörden zugelassen wurden!

Ausblick: Wie geht es weiter?

„Künstliche Intelligenz im Gesundheitsbereich – Science-Fiction oder Schnee von gestern?“ Fakt ist, KI im Gesundheitsbereich kommt bereits heute zum Einsatz. Somit ist es definitiv keine Science-Fiction mehr. Ob es sich um „Schnee von gestern“ handelt – darüber kann man trefflich streiten. Streng genommen, und das habe ich Ihnen bewusst eingangs verschwiegen, existiert KI  als akademisches Fachgebiet bereits seit der Dartmouth-Konferenz im Sommer 1956. Größtenteils wurde und wird sie in anderen Bereichen als der Gesundheitsbranche eingesetzt, wie z.B. Wartung und Reparatur von Maschinen, Sprachsteuerung, autonomes Fahren usw., aber erhält immer mehr Zuspruch in der Gesundheitsbranche und ist auf dem guten Weg auch in dieser Branche eine „Mainstreamtechnologie“ zu werden.

Wenn Sie Fragen haben oder mit uns über dieses Thema ausführlicher sprechen möchten, dann kontaktieren Sie mich gerne. Mein Team und ich stehen Ihnen für Gespräche zur Verfügung – wir freuen uns auf den Austausch.