Keine Woche vergeht, in der nicht über „die Cloud“ in der Presse berichtet wird. Ende Oktober fand in Dortmund der Digital-Gipfel statt und selbstverständlich war die Cloud auch hier Thema vieler Vorträge. Die Cloud bleibt ein Dauerbrenner auf allen Ebenen, in allen Bereichen und für alle Branchen, scheint Fluch und Segen zugleich zu sein und sorgt für Gesprächsbedarf.

Der Mythos „Cloud“

Für viele sind Cloud-Strategie und Cloud-Transformation „Techi-Themen“, doch genaugenommen sind schwierigste Fragestellungen hinsichtlich kultureller und historisch gewachsener Aspekte zu lösen. Cloud-Diskussionen sind oftmals von Unwissenheit oder Halbwissen geprägt. Schnell manifestieren sich Parolen wie „mit der Cloud wird die IT günstiger“ oder „durch die Cloud werden wir agiler“. Allerdings passiert das nicht automatisch beim Klicken von Cloud-Diensten bei einem Cloud-Anbieter. Ebenso sind pauschale Aussagen wie „Daten in der Cloud sind unsicher“ schlichtweg falsch, insbesondere wenn implizit „die Cloud“ nur mit US-amerikanischen public Cloud Anbietern gleichgesetzt wird.

Gesprächsbedarf hat auch die Versicherungswirtschaft, oder sollte sie zumindest haben. Denn wie unser kürzlich veröffentlichter Cloud Readiness Survey in Insurance deutlich macht, gibt es noch einige Lücken in Bezug auf die Etablierung von Cloud-Technologien. Werden neue Anwendungen („Greenfield“) oftmals mit einem „Cloud-preferred“-Ansatz angegangen (der gerne mit „Cloud-first“ verwechselt wird),   scheuen sich Versicherer davor, große Transformationen von geschäftskritischen Altanwendungen („Brownfield“) anzupacken. Und das, obwohl dort der größte Nutzen z.B. durch Komplexitätsreduktion, Flexibilität, Legacy-Middleware-Lizenzkosteneinsparung, Produktivitätsgewinn, schnelle Reaktion auf neuartige Kundenbedürfnisse oder Integration innovativer Aspekte zum Beispiel im Kontext fortschrittlicher Analytik verborgen liegt.

Kein Nutzen ohne „Change“

Apropos Nutzen: Laut unserer Umfrage sehen Versicherer in Deutschland, Österreich und der Schweiz den wesentlichen Vorteil von Cloud-Technologie in Kostenreduzierung, schnelleren Produkteinführungen und besserem Kundenservice. Das ist soweit auch alles richtig, aber nur wenn die entsprechende Governance ebenso auf den Weg gebracht bzw. transformiert wird. Hier liegt der Hund begraben – kein Nutzen ohne „Change“. Wo ist Public versus Private versus Hybrid Cloud sinnvoll und wie viel SaaS darf es sein? Wer identifiziert und selektiert relevante, erlaubte und sinnvolle Cloud-Dienste? Wie werden diese beworben und wer kümmert sich darum, Service-Kataloge und Technologie-Stacks relevant und aktuell zu halten? Reagiert die IT nur auf Business-Demand oder betreibt die IT aktives „Innovation-Infusion“ zum Beispiel in Richtung Business? Wie sieht es mit Dev & Ops vs. DevOps aus? Wie viel Automatisierung zugunsten von Fertigungstiefe wird eingezogen? Was ist die (neue) Rolle der Architektur in diesem Zusammenspiel? Wie werden Agilität und Kontrolle in Einklang gebracht? Fragen über Fragen und die Antworten fallen in der Regel dünn aus oder passen nicht zueinander.

Auch das zeigt unsere Cloud Readiness Studie: Abstimmungen und notwendige Anpassungen innerhalb und an der Schnittstelle zwischen IT und Business gestalten sich eher schwierig. Dennoch besteht der Wunsch, Cloud-Technologie umfassend im gesamten Unternehmen zu etablieren und für alle Aspekte der Wertschöpfungskette nutzbar zu machen.

Es bleiben Hürden zu nehmen

Hinsichtlich der Cloud-Strategie haben die Versicherer überwiegend ihre Hausaufgaben gemacht. Ihre Roadmaps sind ausgearbeitet und teilweise mit KPIs versehen. Die Versicherungsunternehmen wissen also, wohin sie mit der Cloud gehen wollen und haben den Weg strategisch vorbereitet. Das ist gut, weil notwendig. Unsicherheiten bleiben jedoch bei der Frage nach Datenschutz und -sicherheit sowie weiterer Regulatorik. Zudem fehlt es an Fachpersonal, sowohl intern im Sinne von vorhandenen oder umschulbaren Mitarbeitern als auch auf dem Arbeitsmarkt. Ohne mit der Transformation gestartet zu haben wird es zunehmend schwierig, Cloud-Talente zu rekrutieren. Sie gehen dort hin, wo die neusten Technologien nicht nur in der Theorie sondern bereits in der Praxis verwendet werden. Auch diese Hürde bleibt zu nehmen, wie unsere Studie aufzeigt. Um dem Wunsch einer umfassenden Nutzung von Cloud-Technologien nachzukommen, herrscht demnach weiter Handlungsbedarf. Cloud ist ein Paradigma für das gesamte Unternehmen oder sollte es zumindest werden. Cloud-Transformation ist mehr als nur ein IT-Projekt. Was das im Einzelnen bedeutet zeigt unser Point of View Versicherungen in der Cloud detailliert auf.

„Die Cloud“ sorgt für Schlagzeilen und Gesprächsbedarf. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Eigentlich kann man in einer sich so schnell ändernden Umgebung auch nicht „fertig“ sein, das Ganze ist ein Prozess – kein Event. So oder so bleibt für die Versicherungswirtschaft noch viel zu tun, wie die Ergebnisse unseres Cloud Readiness Survey in Insurance zeigen. Für Diskussion und Erfahrungsaustausch kommen Sie gerne auf mich zu.