Neun von zehn Versicherungsunternehmen gehen davon aus, dass sich das Tempo des technologischen und digitalen Wandels in den kommenden Jahren stark oder gar so stark wie nie zuvor beschleunigen wird. Doch zugleich scheinen viele Spieler der Branche noch nicht optimal auf die Veränderungen vorbereitet zu sein – dies zeigt unsere aktuelle Technology Vision für die Versicherungsindustrie.

Die nächste Welle digitaler Entwicklungen – etwa das Internet der Dinge, plattformbasierte Ecosysteme oder künstliche Intelligenz – wird schnell ausgereift sein und nicht nur die Logik des Versicherungsgeschäfts, sondern auch die dahinterstehenden Prozesse und Systeme grundlegend verändern. Unternehmen, die das nicht begreifen, werden über kurz oder lang existenzbedrohende Probleme bekommen oder gar vom Markt verschwinden.

Diese neuen Technologien ermöglicht es Versicherern ihr Geschäftsmodell über das traditionelle Versicherungsgeschäft mit Risikoausgleich und –bewertung auf Basis historischer Daten zu einem Modell mit Risikobewertung und Tarifierung in Echtzeit wie auch Unterstützung der Kunden Schäden von vornherein zu vermeiden.

Digitale Technologie: Personalstrategie muss sich verändern

Zur Nutzung der sich realisierenden Potentiale aus diesen Trends muss sich insbesondere die Personalstrategie der Versicherer ändern. Laut einer Oxford-Martin-Studie dürften einerseits viele Berufsbilder der Digitalisierung zum Opfer fallen – digitale Technologien oder Roboter übernehmen dann ihre Aufgaben (siehe Blogbeitrag zu Robotik). Zu den bedrohten Berufen zählen etwa Underwriter, Schadensachbearbeiter oder Sachbearbeiter in der Vertragsverwaltung. Andererseits jedoch steigen die Erwartungen an die Kompetenzen der Mitarbeiter, die Berufslandschaft in der Versicherungswelt wandelt sich. Künftig werden insbesondere technologieaffine und kreative Mitarbeiter stärker gefragt sein, die teilweise ganz neue Rollen ausfüllen müssen – etwa die des Architekten für Ecosysteme. Und auch bestehende Rollen werden sich verändern: Der Schadensachbearbeiter könnte zum Kundenbeauftragten werden, der Produktentwickler künftig als Customer Experience Architect tätig sein. Beide Rollen erfordern gänzlich neue Kompetenzen, die es zu entwickeln gilt.

Digital Natives und neue Anforderungen rufen nach neuer Kreativität

Und damit nicht genug: Viele Versicherer sind mit Blick auf ihre Arbeitsorganisation immer noch relativ konservativ aufgestellt. Um für die Talente unter den Digital Natives ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, müssen sie alte Strukturen aufbrechen und etwa moderne Kollaborationstechnologien bereitstellen sowie Freelance- und Portfoliokarrieren ermöglichen, die zunehmend gefragt sind. Viele Versicherer sind hier auch schon tätig geworden. Sie gründen Innovationslabore und -teams, um neue Lösungen oder Talente aktiv zu entwickeln. Oftmals sitzen Start-up-erfahrene Mitarbeiter in diesen Teams. Über gezielte Partnerschaften mit Technologieunternehmen entstehen zudem neue Produkte, Geschäftsmodelle oder gar Wertschöpfungsnetze.

Doch das dürfte kaum ausreichen, um dem tiefgreifenden Wandel gerecht zu werden. Denn das Mantra der Marktführer wird in Zukunft „People first“ heißen. Doch welche Rolle wird der Mensch in der digitalisierten Versicherungsorganisation einnehmen? Was das im Einzelnen für die Unternehmenskultur und deren Wandel bedeutet, werde ich in Kürze an dieser Stelle in meinem nächsten Blogpost zur Technology Vision präsentieren.

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