Die Lebensversicherung befindet sich in einer paradoxen Situation. Die pro Kopf Ausgaben für Lebensversicherungen in Deutschland liegen deutlich unterhalb von Ländern wie Italien, Frankreich und Dänemark und das Geldvermögen erreicht Rekordstände; aber die Lebensversicherung profitiert kaum davon. Die Ursachen sind vielfältig. „Eine Regulierung jagt die andere“, meint Dr. Guido Bader als Präsident der Deutschen Aktuarvereinigung e.V.. Während die „digitale Ungeduld“ der Kunden wächst, muss das Versicherungsunternehmen die Anforderungen von PRIIP, IBIB, IDD erfüllen. „Ein Produkt mit Strahlkraft fehlt,“ mahnt der Präsident des BDVM, Hans-Georg Jenssen, an.

Was sind die Handlungsfelder, um das Marktpotential auszuschöpfen?

Wir meinen:

  • Raum schaffen für Innovation
  • Automatisierung der Prozesse
  • Technische Unterstützung durch moderne Technologie

Neue Ideen brauchen neue Köpfe

Menschen, nicht Maschinen, sind die innovativen Treiber der Produktwelt. Sie sind vertraut mit den agilen Methoden der Projektarbeit und in der Lage, Produkte kreativ im Dialog umzusetzen. Natürlich kennen sie auch die Anforderungen einer international getriebenen Regulatorik – Solvency, IBIB, IDD, IFRS etc.. Die Internationalisierung zwingt und ermöglicht, gewohnte Denkmuster zu verlassen. Im Wettbewerb um Kapital schlägt IFRS HGB. Da sich Märkte und lokale Gesetzgebung jedoch nicht von heute auf morgen komplett wandeln, muss lokale Expertise mit neuem und teilweise überregionalem Wissen kombiniert werden, um neue Produktkonzepte schnell und erfolgreich umzusetzen. Es ist eine Managementaufgabe, hierfür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Die vorhandenen Ressourcen sind häufig gebunden durch ineffiziente Prozesse und Tätigkeiten auf Legacy-Systemen. Die internen Kapazitäten für innovative Umsetzung sind daher begrenzt. Unsere Kunden haben gute Erfahrungen gemacht mit aktuariellem Austausch über europäische Ländergrenzen hinweg. Expertinnen und Experten mit aktuariellem Wissen und Erfahrung in der Risikomodellierung haben Produkteinführungen in unterschiedlichsten Ländern erfolgreich begleitet; skalierbar und punktgenau.

Automatisierung steht in der Versicherungsbranche erst am Anfang

Die Automatisierung wird von erfolgreichen Anbietern der Lebensversicherung immer mehr umgesetzt. Aber im Vergleich zum produzierenden Gewerbe hinkt die Branche hinterher. Der Produktentwicklungsprozess, betrachtet von der ersten Produktidee bis zur vollständigen Implementierung in den Systemen und der Produktivstellung, ist mit zahlreichen wiederkehrenden Aufgaben verbunden. Das betrifft Regressionstests im bestehenden System, Tests von Standardgeschäftsvorfällen wie Rückkauf, Beitragsfreistellung, dynamische Anpassung, die Ende-zu-Ende Betrachtung von Prozessen wie zum Beispiel vom Beitragseingang über Kapitalanlage, steuerliche Behandlung und Fortschreibung des Vertrags. Viele Prozesse sind bei der Produkteinführung noch nicht vom Anfang bis zum Ende durchdacht und Vorgänge wie die taggenaue Verarbeitung von Beitragseingängen, Lastschriftrückläufern, Fondsauschüttungen etc. werden in den bestehenden Systemen nur unvollständig unterstützt. Nach unserer Erfahrung können hier weitere automatisierte Testverfahren die Testgeschwindigkeit leicht um das Doppelte beschleunigen. Gleichzeitig wird die Testabdeckung verbessert, die Kosten pro Testfall werden drastisch reduziert und die fachlichen Experten werden entlastet. Die Produkteinführung profitiert hiervon unmittelbar durch spezifische Testcases aber auch indirekt durch bessere Regressionstests und schnellere Realisierung.

Die Cloud ist angekommen

Die Unternehmen bewerten Risiken und Chancen, die mit neuen oder veränderten Produkten verbunden sind. Dazu nutzen sie umfangreiche stochastische Analysen, die erhebliche Ressourcen – Personal und Technik – binden. Gängige Projektionssoftware wie Prophet Enterprise, Risk Agility FM, ATLAS etc. ist unmittelbar in der Cloud verfügbar. Cloudcomputing ist hier der neue Standard. Die EU Kommission unterstützt politisch mit ihrem FinTech Aktionsplan den Weg in die Cloud. Moderne Cloudlösungen garantieren eine hohe Verfügbarkeit und Geschwindigkeit. Cloudcomputing ist allerdings kein Selbstläufer. Verfügbarkeiten, Bandbreiten, Back-up- und Default-Strategien müssen klar definiert und Verantwortlichkeiten festgelegt werden, um erfolgreich zu sein, Mitarbeiter müssen mitgenommen werden. Hierfür kennen wir erfolgreiche Anwendungen im Markt. Das erläutern wir ausführlich z.B. in unserem Beitrag Cloudfahrplan.

Und jetzt?

Erfolgreiche Gesellschaften sind mit internationalem Knowhow sowie Cloud-basierten Systemen aktiv. Da ist zum Beispiel die Allianz SE mit ihrem Allianz Business System (ABS): Die Plattform ist bereits international und in Deutschland im Einsatz. Für die weitere Entwicklung wurde mit Microsoft eine strategische Partnerschaft eingegangen, um zentrale Bestandteile der Versicherungsplattform in Microsofts Azure Cloud zu verlagern. Die AXA Lebensversicherung AG setzt mit dem Partner IBM ebensfalls auf Cloud-Lösungen für die Vertragsverwaltung mit der life factory der msg life AG. Darüber hinaus wandern immer mehr Spezialanwendungen wie zum Beispiel die Planungsprozesse des Finanzwesens in die Cloud.

Unser Fazit: Mit fachlicher Unterstützung international erfahrener Experten werden Automatisierung und Cloudcomputing von führenden Unternehmen der Branche verstärkt umgesetzt und weiterentwickelt. Dadurch wird sich der Produktentwicklungszyklus erheblich beschleunigen – zum Wohl der Endkunden und damit schlussendlich auch zum Wohl der Versicherer. Die Reise in die digitale Produktentwicklung hat gerade erst begonnen.