Insurance Blog | Accenture

In einem der letzten Blogbeiträge sowohl von Dr. Markus Hamprecht als auch von mir haben wir beide versucht klar zu machen, dass der Blick auf die Cloud erweitertert werden muss – weg von der reinen IT-Perspektive auf die Cloud als Technologie hin zu einem Verständnis der Cloud, die mehr kann als nur größere Speicherkapazität für Daten zu liefern. Letztlich ist die Cloud die Basis für heutige und zukünftige Geschäfts- und Betriebsmodelle der Finanzdienstleister und erfordert eine ganzheitliche Herangehensweise im Teamplay.

Zentral in Sachen Cloud bleibt jedoch die eigene IT-Organisation. Ohne sie ist eine funktionierende Cloud-Infrastruktur mit allem, was rundherum dazu gehört, weder umsetzbar noch kann ein reibungsloser Betrieb der Cloud gewährleistet werden. Deshalb möchte ich mich heute wieder einmal der IT zuwenden.

Auch die IT muss die Perspektive wechseln

Bisher konzentrieren sich die IT-Organisationen der Finanzdienstleister hauptsächlich auf den „Run“-Teil groß angelegter On-Premise-Infrastrukturen und -Anwendungen. Anders ausgedrückt: Hauptsache deren Betrieb läuft. Dafür stellen die Geschäftsbereiche ein dezidiertes „Change“-Budget bereit.

Doch genau das wird sich in dem Moment vollständig ändern müssen, wenn Unternehmen sich produktbasiert aufstellen bzw. die Cloud mehr und mehr als technologischen Treiber für ihre Innovationen ansehen. Stellen Finanzdienstleister auf eine produktbasierte Organisation um, so ändern sie auch ihr gesamtes Organisationsmodell in Richtung „Tribe“ und produktbasierten Strukturen, die dann basierend auf BizDevOps-Visionen engagiert sind und die volle Verantwortung für ein Geschäftsprodukt übernehmen. Erkennen Finanzdienstleister die Cloud als neuen Technologietreiber an, ändert sich das Verhältnis von Unterstützung („Run) und Befähigung („Change“) seitens der zentralen IT.

Das bedeuted nichts weniger, als dass sich das Zielbild für die IT ändern muss. Ein Perspektivwechsel ist demnach auch an dieser Stelle nötig.

Nichts ist so stetig wie der Wandel

Damit die IT-Organisation der Finanzdienstleister mit diesen Veränderungen Schritt halten und zu einer IT-Organisation der Zukunft werden kann, beinhaltet das im Wesentlichen drei Punkte:

  • Neue Technologie-Plattformteams oder -türme für die zentralen IT-Produkte und -Dienstleistungen (wie zum Beispiel Cloud, Netzwerk, Arbeitsplatz) sollten implementiert und den Business-Produktteams zur Verfügung gestellt werden.
  • Es sollte der Übergang von einer „Operations“- hin zu einer „Enablement“-Einheit geschaffen werden, die auf der Grundlage neuer Technologien wie zum Beispiel Cloud vollautomatische Self-Services den Business-Produktteams bereitstellt.
  • Und letztlich sollte der kulturelle Wandel von einer zentralen IT-Kostenstelle zu einem IT-Kompetenzzentrum der Organisation vollzogen werden, um als agiles, technisiertes Unternehmen handlungsfähig zu bleiben.

Das klingt natürlich an dieser Stelle alles sehr abstrakt. Fakt ist aber, Tendenzen in diese Richtungen sehen wir bereits bei einigen großen Unternehmen, wenn wir über den Tellerrand der Finanzdienstleister hinausblicken. Da jedoch Finanzdienstleister ein integraler, systemrelevanter Bereich für viele wirtschaftliche, aber auch sozialgesellschaftliche Herausforderungen sind, werden sie über einen „Change“ ihrer eigenen IT nicht drumherum kommen. Denn ohne eine praxisnahe, funktionierende IT, die nicht Betrieb, sondern eben auch Geschäft und Innovation ermöglicht, wird es in Zukunft nicht mehr gehen.