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Versicherer konzentrieren sich eher auf ihre eigenen Prozesse als auf gezielte Services rund um die Absicherung ihrer Kunden. Das war traditionell so und ist es noch immer. Doch die Blockchain-Technologie kann die Wertschöpfungskette in der Versicherungswirtschaft rasch verändern.

Wenn ein Kunde einen neuen Versicherungsvertrag abschließt, einen Schaden meldet oder eine Zahlung von seinem Versicherer erhält, hat er oft gar keine Vorstellung davon, wie kompliziert, langwierig und ineffizient die dahinterliegenden Prozesse sind. Die Wertschöpfungskette – vom Kunden über den Makler, Erstversicherer und Rückversicherer bis hin zum Retrozessionär – beinhaltet nicht nur jede Menge Administrationsschritte, die die Kosten in die Höhe treiben. Da die Datensätze dabei unzählige, höchst unterschiedliche Systeme durchlaufen und dabei immer wieder kopiert und angepasst werden, wächst das Fehlerrisiko innerhalb der übermittelten Informationen auch mit jedem einzelnen Schritt.

Das Versicherungsgeschäft ist sehr alt und hat bis heute verschiedenste Veränderungen durchlaufen. Einer der wichtigsten Treiber des Wandels war zuletzt sicherlich das Internet. Der digitale Fortschritt hat dafür gesorgt, dass jede Art von Information innerhalb von Sekunden weltweit geteilt werden kann. Streng genommen handelt es sich dabei um das Kopieren ein und derselben Daten in individuelle Systemen und Applikationen. Je mehr Parteien zum Beispiel an einer Transaktion in der Versicherungswirtschaft teilnehmen, umso mehr Kopien existieren auch – und umso mehr Daten müssen gespeichert, validiert und miteinander abgeglichen werden. Auf der Suche nach Konsens über eine einzige Version von „Wahrheit“ steigt nicht nur der Aufwand, Prozesse werden auch deutlich verlangsamt. Denken Sie nur einmal daran, wie viel Zeit zwischen einem Wasserschaden in Ihrem Haushalt und der Zahlung durch die Versicherung vergeht, wie lange es also dauert, bis alle Transaktionen zwischen den Beteiligten in der Prozesskette abgeschlossen sind. Hier können bisweilen Wochen und Monate ins Land gehen. In Zeiten des Internets bezahlt der Kunde noch immer seine Prämien dafür, dass unzählige Kopien seiner Daten hin- und her gespielt werden.

Bild 1: Versicherungsindustrie: Mehr Verwaltung als Schutz für den Kunden
Agent – Erstversicherer – Broker – Rückversicherer – Broker – Retrozessionär
zunehmendes Risiko – steigende Kosten – wachsende Komplexität – abnehmende Transparenz

Versicherung in der Distributed Ledger-Ära führt zur Neugestaltung der Wertschöpfungskette

Am Anfang war Bitcoin. Die Blockchain ist hier die Technologie hinter einer Kette von Transaktionen, die das digitale Währungssystem erst möglich gemacht haben. Mehrere Bitcoin-Transaktionen werden dabei kryptografisch verknüpft zu Blöcken verbunden. Doch die Daten der Transaktionspartner werden nicht kopiert, sondern unverfälscht im verteilten Register der Blockchain bei allen Teilnehmern hinterlegt. Es gibt nur eine Wahrheit. Genau dieses Prinzip macht die Distributed Ledger-Technologie (DLT) auch für Bereiche jenseits des Bitcoin so attraktiv. Die Anwendungslandschaft ist dabei äußerst vielfältig. Sie reicht von den Backend-Services großer Institutionen über digitale Identitäten bis hin zum Transfer von Assets. Sein Potenzial spielt das System immer dann aus, wenn Transaktionen zwischen zahlreichen Parteien vollzogen und aufgezeichnet werden müssen.

Doch wie wird die Distributed Ledger-Technologie die Wertschöpfungskette in der Versicherungswirtschaft verändern? Stellen Sie sich dazu einfach vor, wie die Versicherungswelt aussehen würde, wenn:

  • kein Mittelsmann mehr für eine Transaktion gebraucht würde (kein E-Commerce, keine Social Media-Plattform, keine Banken, Agenten oder Broker)
  • kostenintensive Services der Vergangenheit angehören würden (bspw. für Prozessverarbeitung, Validierungen und Bestätigungen, Bankzahlungen, Aufbereitung und Übermittlung von Daten über mehrere Stufen einer Prozesskette)
  • Kopien von Informationen durch verteilte Repliken der Wahrheit ersetzt würden
  • das zugrundeliegende System widerstandsfähig gegen Cyberangriffe, Betrug und menschliche Fehler wäre
  • Verträge automatisch in ausführbare Regeln für das Geschäft mündeten
  • Transaktionen und Schadenregulierung zusammenfallen würden

Genau diese Eigenschaften machen die Versicherung im Zeitalter der Distributed Ledger-Technologie aus. Das klingt zunächst natürlich nach Fiktion. Viele versicherungsspezifische Applikationen auf Grundlage der Technologie sind aber schon heute Realität und werden von traditionellen Erst- und Rückversicherern ebenso intensiv beobachtet wie von Spielern aus dem Fintech bzw. InsurTech-Segment. Eine Auswahl möglicher Anwendungsfelder finden Sie unten stehend. In meinen nächsten Blogposts werde ich spezifischer auf einzelne Use Cases eingehen und zeigen, wie die Technologie sie ermöglicht sowie auf Vorteile und Grenzen abstellen.

Bild 2: Ausgewählte Blockchain-Anwendungsbeispiele
Ecosystem – Kunde – Unternehmen
DLT-Use Cases

 

 

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