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Auf das richtige Zusammenspiel wird es angekommen

In meinem letzten Blogbeitrag hab ich über IFRS 4 Phase 2 geschrieben. Dabei bin ich insbesondere auf die rechtzeitige Einplanung von Vorbereitungsarbeiten und das Heben von potenziellen Synergien eingegangen. In der Zwischenzeit wurde IFRS9 in London vom IASB erneut diskutiert und dabei ein neues Vorgehen beschlossen.

Viele Fragen und doch jede Menge Potenzial

Danach ist die Synchronität der Einführung zu IFRS4 wieder grundsätzlich möglich. Eine zeitgleiche Umsetzung sowie ein abgestimmtes Vorgehen bergen insofern viele Vorteile, potenzielle Synergien liegen auf Hand. Gerade für Versicherungsgruppen ergeben sich hier mit Blick auf die IT-Struktur und Daten zahlreiche Fragestellungen:

  • In welchem Umfang sollen aktuarielle Systeme zentralisiert werden?
  • Welchen Scope hat die Zentralisierung von Accounting-Systemen?
  • Welche Freiheitsgrade benötigt das Aktuariat um ureigenen Aufgaben gerecht zu werden, welche neben der künftigen Zulieferung von Bilanzierungsberechnungs-Input (Cashflows, etc.) anfallen?
  • Wie geht man innerhalb einer Versicherungsgruppe mit dem Datenmanagement um?
  • Welche Rolle spielt die Granularität der erforderlichen Daten?
  • Welchen Einfluss haben Multi-GAAP-Anforderungen und Arbeitslast-Peaks auf Systemanforderungen und Workflows?

Zentralisierung von Systemen und Services

In vielen internationalen Versicherungsgruppen sind Accounting-Systeme häufig bereits zentralisiert. Falls dies (noch) nicht der Fall ist, sollte es in jedem Falle in Betracht gezogen werden. Um die Zukunftsfähigkeit von Systemen zu gewährleisten, müssen Herstellerstrategien ebenso berücksichtigt werden, wie die rechtzeitige Definition von Ablösungs- und Migrationspfaden. Zentrale und mandantenfähige Systeme mit Multi-GAAP Fähigkeit beinhalten zudem die Möglichkeit, Daten ggf. auch feingranularer einzubinden und verarbeiten zu können.

Aber auch in Hinblick auf das Operating Model sollten Zentralisierungsansätze, Near-shoring, die Etablierung von Captives und die Nutzung von Arbitrage-Effekten in Erwägung gezogen werden. Dazu gehören beispielsweise Shared Finance-, Accounting- und Controlling-Services auf Gruppenebene, die dann als zentraler Dienstleister für die Versicherungsgruppe und ihre Töchter fungieren können.

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Besonderes Augenmerk auf „Schatten-IT“ der Aktuariate

Aktuarielle Services bedürfen hier häufig intensiverer Betrachtung, denn hier findet sich häufig eine sogenannte „Schatten-IT“. Wartung und Pflege der Systeme findet verteilt statt und entspricht oft nicht den IT-Standards innerhalb der Konzerne. Insofern gilt es auch hier, gerade jetzt die Zentralisierungsmöglichkeiten zu prüfen, Traceablity-Anforderungen (Managed Environments) zu etablieren und die gemeinsame Nutzung von Rechenkapazitäten (z.B. in Parallel/Distributed High-Peformance-Umgebungen) voranzutreiben. Aktuarielle Aufgaben und Dienstleistungen sollten jedoch auch hinsichtlich der Bündelungsmöglichkeiten und Querschnittsfunktionen betrachtet werden. So sind hier das Aktivitätsniveau und der Servicegrad ebenso zu prüfen, wie Möglichkeiten der Zentralisierung oder Auslagerung von weniger strategischen „lower-end“-Services.

Wesentlich für gutes Funktionieren von IFRS-Lösungsansätze wird ein effizientes Zusammenspiel von Accounting-Systemen mit aktuariellen Systemen sein. Hier sind innerhalb der Gruppe bzw. auch deren Töchter und zwischen Aktuariaten und Accounting Verantwortlichkeiten zu prüfen. Häufig werden sich bestehende aktuarielle Systeme wiederwenden und auch leicht adaptieren lassen, um erforderliche Simulationen, Diskontierungen, Cash Flow-Projektionen oder ähnliche Aufgaben durchführen zu können. Lösungsansätze sind unter anderem die Nutzung bestehender Moses- oder Prophet-Systeme, Igloo, flexible SAS-basierte Ansätze oder durchaus auch Adaptionen rein proprietärer „custom-built“-Systeme, beispielsweise auf der Basis von C++/R. Diese Lösungen sind dann mit Datenflüssen von und zu Accounting-Systemen zu bestücken. Eine nachvollziehbare und effiziente Ausgestaltung dieser Datenflüsse kann zu einem Schlüssel für den Erfolg werden.

Geschwindigkeiten: Aktuariat versus Accounting

Bei der Umsetzung von Lösungen im Kontext von IFRS ist vor allem dem folgenden Umstand Rechnung zu tragen: Die Anforderungen an Time to Market, Änderungsgeschwindigkeit und Änderungshäufigkeit (z.B. von Modellen, Berechnungsansätzen, Diskretisierungsmethoden etc.) sind im Aktuariat erheblich höher als in den eher stabilen Accounting-Welten. Die Erwartungshaltung von Aktuaren in Hinblick auf die Flexibilität ist daher häufig eine völlig andere als die von Accountants. Gleichzeitig ergibt sich aber die Fragestellung der gemeinsamen Nutzung von Systemen und Daten. Angenommen der Finance & Accounting-Bereich einer Versicherungsgruppe entscheidet sich für den Einsatz und die Nutzung von neuen HANA-basierten SAP-Finanzsystemen – in vielen Häusern ist dies eine zu erwartende Lösung: Soll man dann einen gemeinsamen Single Point of Truth für Accounting und Aktuariat schaffen? Alle Daten möglichst feingranular in einer HANA-Umgebung? Solche Fragestellungen können nicht ad-hoc beantwortet werden. Aktuariate könnten sich a priori zunächst einmal durch die klar definierten Änderungsprozesse und das Configuration Management in SAP vermeintlich eingeschränkt fühlen. Während man in Aktuariaten gewohnt ist, häufig Scrum-basiert agil zu entwickeln, findet sich im Accounting häufig die Welt des klassischen Wasserfall-Ansatzes. Wie bringt man also diese Welten zusammen?

Diese und ähnliche Fragestellungen sind nur Teilaspekte dessen, was im Rahmen solcher Umsetzungsinitiativen zu behandeln sein wird. Dafür ist zuallererst ein klares, methodisches Vorgehen erforderlich. Die Nutzung von Erfahrungswerten und Frameworks gehört ebenso dazu, wie ein begleitendes Change Management. Mitarbeiter und ganze Teams müssen hier „abgeholt“, integrative und holistische Projektansätze geschaffen werden. Nur so können erforderliche Freiheiten bewahrt und gleichzeitig die notwendige Ordnung und Stringenz in der Durchführung erzielt werden.

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