Accenture Insurance Blog

Frühzeitige Vorbereitung schafft langfristig eine agile und kosteneffiziente Struktur

Viel Lärm – aber passiert auch etwas? Das IASB diskutiert Ende September in London einen Aufschub von IFRS 9 für Versicherungen um die Übergangsphase einfacher zu gestalten. Aber ‚finale‘ Zeitlinie und Beschluss? Der Regulierungsrahmen nimmt derzeit eher in kleineren Schritten Gestalt an. Ratifizierung und Vorgaben gestalten sich mehr als zäh. Und dennoch soll das Ganze bereits 2019/20 stehen. Das ist nicht viel Zeit – vor allem aufgrund des höchst anspruchsvollen und interdisziplinären Charakters des regulatorischen Meilensteins. Rasches Handeln ist also dennoch angesagt, denn auf Versicherer warten mit IFRS 4 Phase 2 zahlreiche Herausforderungen. Unter anderem:

  • Festlegung eines eigenen Anspruchsniveaus zu Beginn der Reise
  • Übergreifende/anzupassende Prozesse im Aktuariat, Rechnungswesen, Betriebsorganisation bzw. IT
  • Neue und umfangreichere Berichtspflichten
  • Erhöhte Auditierbarkeits- und Transparenz-Anforderungen
  • Notwendige System- und Datenvoraussetzungen: Aktiv- und Passivseitig sowie übergreifend

…und vieles mehr. Doch wie lässt sich ein entsprechendes Projekt priorisieren, wenn weder der finale Einführungstermin noch die Details schon endgültig feststehen?

Stochern im Nebel?

Mit einer simplen To-do-Liste ist den kommenden regulatorischen Berichtspflichten und Bewertungsansätzen wohl nicht beizukommen. Zumal die vielfältigen regulatorischen Anforderungen zunächst mehr Pflicht als Chance zu bringen scheinen und deutliche Synergien zu bisherigen Projekten in diesem Umfeld eingefordert werden (wie z.B. mit Solvency II, MCEV etc.). Oder mag es in bestimmten Fällen sogar opportun sein, das regulatorische Moment zu nutzen, um bereits in der Vergangenheit oftmals geforderte ‚integrierte Sichten‘ und ‚Single Point Of Truth‘ für die Steuerung zu etablieren? Wird der kommende regulatorische Druck zur Lokomotive für die oftmals langersehnte Flurbereinigung, Zentralisierung und Harmonisierung?

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Einen Ansatz bietet hier zunächst die Betrachtung des Zielkorridors – von einheitlichen Bewertungsmodellen und Vergleichbarkeit bis hin zu Transparenz bzw. Auditierbarkeit, verbunden mit einem noch höheren Bedarf an potentiell granularen Daten und effizienteren IT-Systemen. Doch inwieweit können diese Veränderungen in bestehende Systeme und Prozesse integriert werden und wie sind die damit verbundenen hohen Kosten zu stemmen?

Perspektivenwechsel erforderlich

Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, müssen Versicherer von einer regulatorisch getriebenen Herangehensweise zu einer strategischen und gesamthaften Lösung kommen. Anstatt Zeit verstreichen zu lassen, um dann in letzter Sekunde die Masse erforderlicher Informationen „aus dem Ärmel zu schütteln“ und unterschiedliche Organisationsbereiche in ein Zwangskorsett zu stecken, sollte insbesondere mit der Prozess- und Systemanalyse sowie den Datenchecks frühzeitig begonnen werden. Dadurch können bereits im Vorfeld Risiken, Kosten und Arbeitsaufwände erkannt und abgeschätzt werden. Eine starke Beteiligung der Aktuare sowie von Rechnungswesen, Controlling, Risikomanagement und IT erlauben zudem Synergien, Konsistenz und ein einheitliches Verständnis der Modelle und Prozesse. Auch eine Prüfung von Zentralisierungsoptionen für bestimmte Tätigkeiten (konsolidiert miteinander – nicht doppelt gegeneinander) kann bereits in der Frühphase dazu beitragen, den Unternehmenserfolg langfristig zu steigern.

Vom Getriebenen zum Treiber

Im Kern sollten also auch ohne konkrete Anhaltspunkte folgende sechs Prioritäten auf der strategischen Agenda stehen:

  1. Schaffung einer organisatorischen Perspektive und Governance-Struktur
  2. Etablierung einer strategischen Sichtweise
  3. Identifikation von Synergien
  4. Frühzeitige Diskussion von Lösungsoptionen auf der Ebene des Operating Models, um Kosten-Nutzen-balancierte Zielbilder zu schaffen
  5. Schaffung gruppenübergreifender Gesamtbilder
  6. Frühzeitiges Angehen grundsätzlicher technischer Lösungsansätze und Optionen zur Verbesserung der Datenbewirtschaftung

Versicherer, die diese Leitaufgaben aktiv anpacken, werden schnell merken, dass IFRS 4 Phase 2 auch eine große Chance in sich birgt: die Möglichkeit, vom Getriebenen der Regulierung auf die Seite des aktiven Treibers neuer und effizienter Geschäftsoptionen zu wechseln. Schließlich wird der nächste regulatorische Schritt nicht der letzte sein. Eine agile operative Struktur adressiert aber eben nicht nur diese Ebene, sondern schafft auch eine nachhaltig erfolgreiche Grundlage für das tägliche Geschäft.

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