Accenture Insurance Blog

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich ja bereits am Rande unsere Studie zum digitalen Versicherer erwähnt. Auf einige ihrer Erkenntnisse möchte ich an dieser Stelle noch einmal eingehen, denn unsere Untersuchung hat vor allem deutlich gemacht: Die digitale Transformation in der Versicherungswirtschaft ist zwar in vollem Gange, lässt aber doch einiges an Fragen offen.

Klar, die überwältigende Mehrheit der Versicherer räumt dem digitalen Umbau in den nächsten fünf Jahren oberste Priorität ein. Erwartet werden neben Veränderungen der Wertschöpfungskette und steigenden Kundenerwartungen auch Änderungen in der Kundeninteraktion samt Nutzung der Vertriebskanäle. Und auch die Konkurrenz durch Internetanbieter und Aggregatoren wird sehr deutlich wahrgenommen. Insofern verwundert es kaum, dass die Branche stark auf Programme zur Digitalisierung setzt. Die Allianz investiert zur Zeit fast 200 Millionen Euro für digitale Innovationen[1] – das durchschnittliche Investitionsvolumen der europäischen Versicherer liegt nach unseren Studienergebnissen im in den nächsten drei Jahren immerhin bei rund 50 Millionen.

Der Schlüssel zum Erfolg wird aber nicht nur in Technologieinvestitionen allein liegen. Vielmehr müssen traditionelle Wertschöpfungsketten aufgebrochen sowie erweitert und sogar neue erschlossen werden. Optionen liegen hier in der Investition in innovative Firmen oder der Erweiterung des Produktportfolios um Nichtversicherungsprodukte, aber auch in neuen Partnerschaften. Gerade Letztere sehen wir schon heute im Vertrieb. So planen 72 Prozent neue Partnerschaften für die nahe Zukunft oder sind bereits neue eingegangen. Was Übernahmen von Start-ups und deren Technologien betrifft, bewegt sich der deutsche Markt allerdings noch immer in einem frühen Stadium. Von einzelnen Initiativen im Vertriebsbereich abgesehen, passiert hier recht wenig.

Alles in allem ist der digitale Wandel der Versicherungsindustrie eher Stückwerk, ein digitales Puzzle aus punktuellen digitalen Initiativen. Noch immer sieht die Mehrheit ihre Digitalinvestitionen und -aktivitäten als „Erprobung“ an. Nur ein Viertel verfolgt einen „Single View of the Customer“ und betrachtet Kundenzentriertheit als Grundlage des Geschäfts.

Hier brauchen wir ein Umdenken, genau hier gilt es anzusetzen. Denn die eigentliche Herausforderung, die hohe Kunst, kommt erst nach dem digitalen Enabling durch Technologie. Sie liegt im Aufbau und der Umsetzung einer echten digitalen Strategie. Erst das ist die Grundlage für neue, kundenzentrierte Produkte und Geschäftsmodelle. Ohne diesen Ansatz ist das volle Potenzial der Digitalisierung in der Versicherungswirtschaft schlichtweg nicht erschließbar.

[1] Die ursprünglichen 100 Mio. gehen zurück auf ein Gespräch mit der Bösen-Zeitung; Erwähnt u.a. bei: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/allianz-baut-um-versicherer-investiert-weitere-100-millionen-euro/11041808.html; Neue Daten sagen 200 Millionen http://versicherungswirtschaft-heute.de/koepfe/allianz-investiert-200-mio-digitalisierung

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